www.ccp-online.org | CCP 2 (2008): 1-2
Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns sehr, Ihnen das neue e-Journal "Communication, Cooperation, Participation: Research and Practice for a Sustainable Future" (CCP) präsentieren zu können. Das Abenteuer startete vor fast zwei Jahren, als wir am Institut für Umweltkommunikation an der Universität Lüneburg zu diskutieren begannen, inwieweit es Bedarf für eine neue Zeitschrift im weiteren Feld der Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation gibt.
Der Ausgangspunkt unserer Diskussion war, dass Kommunikation, Kooperation und Partizipation in Diskussionen zur nachhaltigen Entwicklung ein besonderer Bedeutung zugeschrieben wird. In internationalen und nationalen Politikdokumenten im Kontext der Agenda 21 und der vielfältigen Nachfolgeinitiativen wird Bürgerbeteiligung und Stakeholder-Beteiligung eine Schlüsselrolle für gesellschaftliche Such-, Lern- und Entscheidungsprozesse zugeschrieben. Neben nachhaltigkeitsorientierter politischer Regulation und ökonomischer Marktsteuerung werden kommunikative, partizipative und kooperative Ansätze und Verfahren als essentiell angesehen, um die soziale, ökonomische und ökologische und kulturelle Komplexität zu bewältigen und kollektive Transformationsprozesse anzuregen und zu gestalten. Parallel zu diesen konzeptionellen Initiativen ist während der vergangenen 15 Jahre seit dem Erdgipfel in Rio de Janeiro eine enorme Bandbreite an Nachhaltigkeitsbezogenen Kommunikationsaktivitäten von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft realisiert worden.
Diese politischen und praktischen Aktivitäten sind – natürlich – begleitet worden von wissenschaftlicher Analyse. In vielen Disziplinen wurde das Thema aufgegriffen, zum Beispiel: die Analyse von Partizipations- und Kooperationsprozessen in der politik-wissenschaftlichen Governance-Forschung, das Thema des Stakeholder-Management in den Wirtschaftswissenschaften, Studien zum partizipativen Lernen im Bereich ‚Bildung für eine nachhaltige Entwicklung’, Untersuchungen zur Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichterstattung in den Kommunikationswissenschaften, die Analyse von Informations- und Kommunikationstechnologien in diesem Themenfeld, oder soziologische Arbeiten zur Rolle von Bürgerbeteiligung in Entscheidungsprozessen zur nachhaltigen Entwicklung.
Gemäß der vorherrschenden disziplinär organisierten Struktur des akademischen Systems wurden und werden die vielfältigen Kommunikationsbezogenen Aktivitäten überwiegend in disziplinären Journals publiziert. Dies jedoch erschwert den interdisziplinären Austausch erheblich. Auch wenn die allgemeine Debatte über Inter- und Transdisziplinarität (als gemeinsame Wissensproduktion zwischen Wissenschaft und Praxis) sowie die Diskussion um eine potentiell entstehende Nachhaltigkeitswissenschaft die Gründung neuer Zeitschriften stimuliert hat, die versuchen, die Grenzen zwischen Natur- und Sozialwissenschaften zu überwinden, gibt es bislang kein Journal, das auf Forschung und Praxis im Bereich Kommunikation, Kooperation und Partizipation zur nachhaltigen Entwicklung fokussiert. Mit Blick auf die Relevanz dieses Themenfeldes ist dies unserer Meinung nach eine Lücke in der internationalen Wissenskommunikation. Aufgrund dieser Beobachtung sind wir der Überzeugung, dass es einen Bedarf gibt für einen Informations- und Kommunikationskanal, der hoffentlich dazu beiträgt, die internationale, inter- und transdisziplinäre Gemeinschaft der Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation weiter zu entwickeln und zu stärken.
Der beste Weg, den Austausch einer entstehenden Gemeinschaft zu fördern, ist heutzutage das Internet. Ein e-Journal eröffnet die Möglichkeit, einen ortsunabhängige, global zugängliche und kosteneffiziente Informations- und Kommunikationsplattform zur Verfügung zu stellen. Um die neuen Möglichkeiten, die das Internet im Vergleich zu herkömmlichen Zeitschriften eröffnet, zu nutzen, hat unser e-Journal, das zunächst zweimal pro Jahr erscheinen soll, einige Besonderheiten.
Erstens, wir haben uns für einen öffentlichen Zugang entschieden, um das Wissen für alle zugänglich zu machen, die an dem Themenfeld Interesse haben. Zweitens, es gibt drei Bereiche, mit jeweils spezifischen Begutachtungskriterien: Im ersten Bereich werden wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, für die es einen öffentlichen Begutachtungsprozess gibt. Das bedeutet, dass die Orginal-Artikel gemeinsam mit zwei Gutachten veröffentlicht werden und die Leserinnen und Leser die Möglichkeit haben, Kurzkommentare abzugeben. Im zweiten Bereich werden Berichte aus der Praxis veröffentlicht. Zwei Mitglieder vom Herausgeber-Gremium sowie vom Beirat werden die Relevanz und Qualität dieser Beiträge ein-schätzen. Schließlich gibt es noch einen weiteren Bereich für studentische Beiträge. Zwei Mitglieder vom Herausgeber-Gremium werden Relevanz und Qualität prüfen. Beiträge in allen drei Bereichen können auf Englisch (bevorzugt), Deutsch oder Spanisch eingereicht werden. Für jeden Text ist ein englisches Abstract erforderlich. Die übergreifende Idee dieser e-Journal-Struktur ist, den internationalen Austausch zwischen Forschung und Praxis zu stimulieren und wertvolle Ideen von Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern in die Diskussion einzubeziehen.
Vor diesem Hintergrund laden wir für die nächsten Ausgaben theoretische und empirische Beitrage für den wissenschaftlichen und studentischen Bereich ein sowie Berichte und Essays für den Praxisbereich. Das Spektrum Umwelt- und Nachhaltigkeitsrelevanter Themen umfasst beispielsweise: die Medienkommunikation, die Rolle Neuer Medien, öffentliche Diskurse, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Kampaigning und PR, Unternehmenskommunikation, Partizipations- und Kooperationsforschung oder informationelles Governance. Darüber hinaus bieten wir Gastherausgebern die Möglichkeit, spezielle Themenschwerpunkte zu konzipieren und zu veröffentlichen.
Die erste Ausgabe repräsentiert exemplarisch die Bandbreite an Perspektiven und Themen, auf die das e-Journal zielt: In der Wissenschaftsrubrik haben wir zwei Artikel, die unterschiedliche Aspekte von Partizipation und Entscheidungsprozesse behandeln. Der dritte wissenschaftliche Beitrag diskutiert die Rolle von Computer-Modellen für Nachhaltigkeitskommunikation. Im Praxisbereich haben wir einen Beitrag zu Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der studentische Artikel diskutiert schließlich nachhaltige Entwicklung im Kontext der Informationsgesellschaft, die zugrunde liegenden digitalen Infrastrukturen und die Beziehung zwischen den Megatrends Nachhaltigkeit und Informationsgesellschaft.
Mit der Veröffentlichung der ersten Ausgabe des e-Journals ist der erste Schritt unserer Initiative gemacht. Inwieweit dieses Abenteuer erfolgreich sein wird, den Austausch der bislang zersplitterten Forscher- und Praktikergemeinschaft zu befördern und die inter- und transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation zu stärken, hängt nicht zuletzt von Ihnen ab – als hoffentlich aktive Leser und zukünftige Autoren. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und eine engagierte öffentliche Diskussion.